MUSIK AUS SCHOTTLAND - ROCK - FOLK - TRADITIONALES

 

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Zusammenstellungen mit typisch schottischer Musik gibt es in rauen Mengen. Sie werden meist auf der Billigschiene in Kaufhallen oder Drogerie-Filialen angeboten. Sie alle enthalten bekannte und weniger bekannte Musikstücke von für uns oft unbekannten Interpreten. Diese heißen Andy Stewart, Glen Daly, Alex Campbell, Ian Campbell oder Alexander Brothers. Mindestens eine solche CD mit Fiddel- und Dudelsack-Klängen gehört aber ins Regal eines jeden Schottland-Fans! Sei's zum Einstimmen auf den bevorstehenden Urlaub, für die Autofahrt durch Schottland oder zur Untermalung des Urlaubsvideos nach der Heimkehr. Auf fast jedem dieser Sampler enthaltene Lieder sind "Scotland The Brave", "Flower Of Scotland", "Loch Lomond", "Skye Boat Song", "Amazing Graze" und natürlich Paul McCartney's "Mull Of Kintyre". Sie alle handeln von der Schönheit der schottischen Landschaft, von der schönen Liebsten, von den Kämpfen der Clans und immer wieder von der herrlichen Inselwelt Alba's. Die Klangqualität lässt leider manchmal zu wünschen übrig, da die Songs oft in Pubs aufgenommen werden. Eine Ohrenweide dagegen sind die Drum & Pipe-Bands, wie man sie bei Militär-Paraden, z.B. der Edinburgh Military Tattoo, erleben kann. Dieses Spektakel wird auch jedes Jahr mitgeschnitten und auf Tonträger veröffentlicht - ein Muss für jeden, der schon mal dabei gewesen ist.

                                             

Wer die Nase voll hat vom x-ten Schottland-Sampler aus dem Supermarkt-Regal, der sollte zu rockigeren Klängen greifen! Die wohl bekanntesten Vertreter guten Schotten-Rocks und -Pops sind die Simple Minds und Big Country oder auch Mark Knopfler und Rod Stewart. Die unumstritten beste Band aus Großbritanniens Norden ist allerdings die 1973 in Glasgow gegründete Gruppe RUNRIG. Melodische Rocksongs und hymnische, getragene Balladen aus den Federn der MacDonald-Brüder wechseln sich mit meist in Gälisch gesungenen Traditionales auf den Runrig-Alben ab. Das Ganze immer wieder mit schottischen Musikelementen versehen, dass einem eine Gänsehaut über den Körper läuft. Wenn man die Musik von Runrig hört und die Augen schließt, sieht man die Highlands an sich vorüber ziehen - grün samtene Hügel, wolkenverhangene Berge, einsam stehende Häuser, düstere Castle-Ruinen, einsame Strände, Lochs auf denen einzelne Angler in ihren Booten sitzen... Und es gibt nichts Herrlicheres, als mit Runrig-Musik im Ohr durch die Highlands, das Rannoch Moor oder eine der wunderschönen Küstenstraßen Schottlands entlang zu fahren. Wer sich ein Bild von der Musik Runrigs machen will, dem sei die Best Of Doppel-CD "Long Distance" von 1996 wärmstens empfohlen. Sie enthält auf CD1 17 klassische Runrig-Songs von der Liebeserklärung an Schottland "Alba", den Knallern "Rocket To The Moon" und "Protect And Survive" über das Rod Stewart-Cover "Rhythm Of My Heart" und einige gälische Klassiker bis hin zur Ballade "Hearts Of Golden Glory und die alles überragende Live-Version des Traditionales "Loch Lomond" mit tausendfachem Zuschauer-Chor. Gänsehaut pur! CD2 enthält vor allem für Fans wichtige rare Tracks, die jeder für sich ein Leckerbissen sind. Wer dann unweigerlich Verlangen nach mehr Musik von Runrig hat, der sollte sich als Nächstes die beiden genialen Live-CDs "Once In A Life Time" (1988) und "Transmitting (1994) zulegen. Anspieltipps sind "Dance Called America", "Protect And Survive", "Edge Of The World", "The Greatest Flame", "Harvest Moon" oder "Flower Of The West". Die Stimmung bei Runrig-Konzerten ist einmalig und kommt auf den beiden CDs wirklich gut rüber. Auf diesen 3 Alben versammeln sich die besten Songs von Runrig, aber bei Weitem nur ein Bruchteil von dem, was Runrig in 30 Jahren Band-Geschichte veröffentlicht haben. Wem die gälisch-sprachigen Songs trotz ihres ungewohnt harten, aber trotzdem angenehmen Klangs der Aussprache zusagen, der liegt auch bei der Gaelic Collection von 1998 richtig. Auf dieser Doppel-CD befinden sich insgesamt 28 ausschließlich gälische Songs, die Runrig von 1973 bis 1998 aufgenommen haben. 

Leider hat der langjährige Runrig-Sänger DONNIE MUNRO die Band 1997 verlassen, um eine Politiker-Karriere zu starten. Dies hat er inzwischen schon bereut, wie er einmal in einem Zeitungs-Interview zugab, und so veröffentlicht er in regelmäßigen Abständen Solo-Alben, die ebenfalls in die Sammlung eines jeden Runrig-Fans gehören. Zwar ist die Musik insgesamt ruhiger geworden, aber die Mischung aus englisch- und gälisch-sprachigen Liedern ist geblieben. Die rockigen Kracher vermisst man auf den bisher 4 Alben, aber die Songs leben sowieso von Donnies unverwechselbarer Stimme. Highlights hier sind "On The West Side", "Chi Mi'n Tir", "Fields Of The Young" vom Album "On The West Side" (2000) und "Sweetness On The Wind", "You're The Rose", "Calum Sgàire" vom Album "Across The City And The World" (2002). Mit "Gaelic Heart" veröffentlichte Donnie Munro 2003 ein Album mit ausschließlich gälischen Traditionales und zollt damit seiner gälischen Abstammung Tribut. Auch privat macht sich der von der Isle Of Skye stammende Sänger im Kultusministerium um die Erhaltung der vom Aussterben bedrohten gälischen Sprache verdient. Zu erwähnen wäre noch sein 2000er Live-Album, das 13 wunderschöne Solo- als auch Runrig-Stücke enthält. Leider nicht so rockig vorgetragen, wie zu Runrig-Zeiten, obwohl einige Musiker von der "alten" Band mit von der Partie sind.

Auch wenn viele Runrig-Fans anderer Meinung sein werden, muss ich sagen, dass der Nachfolger Bruce Guthro aus Kanada Donnie Munro bei Runrig nicht ersetzen kann. Kein anderer hat Donnies unverwechselbare, elegische Stimme mit dem harten, schottischen Akzent. So kann ich leider nur die Runrig-CDs bis 1995 bzw. die danach erschienen Sampler mit Material aus der Munro-Ära empfehlen. 
 

Seit dem 29.März 2004 gibt es die lang erwartete neue CD von Ex-Runrig-Sänger Donnie Munro "Fields Of The Young". Sie beinhaltet neben dem Single Only Release "Down Under" (mit Dudelsack, Didgeridoo und grandiosem Chor!) acht 2003 in Köln mitgeschnittene Live-Tracks sowie sieben Songs aus Donnie's bisherigen Solo-Alben - vier davon in Gälisch gesungen.

Für Munro-Einsteiger ist das Album ein genialer Überblick über sein bisheriges Schaffen seit seinem Ausstieg bei Runrig. Für Fans sind vor allem die Live-Tracks von Interesse, die diesmal wesentlich druckvoller rüberkommen, als auf Donnie's erstem Live-Album. Fazit: Ein Muß für die Autofahrt durch die Highlands :o))

Am 19.April 2004 ist nun auch die lang ersehnte, gleichnamige DVD erschienen. Die Tracklist ist identisch mit der CD, doch leider sind das Konzert sowie die herrlichen Filmaufnahmen zu den Best-of-Songs mit Ausschnitten eines Interviews unterbrochen. So kann man weder Konzert,  Musik und Schottische Landschaft (Skye!) genießen. Wenn wenigstens eine deutsche Übersetzung per Untertitel verfügbar wäre! Zum Glück ist Donnies Englisch durch seinen harten schottischen Akzent recht gut zu verstehen. Das vorhandene Bonus-Material entschädigt ein wenig: Der Video-Clip zu "Down Under" und 4 Songs aus einem Hamburger Club-Concert machen die DVD dennoch kaufenswert.

 

Seit dem 27.Oktober 2005 gibt es eine Best of-CD von Donnie Munro. Neben den Pflicht-Songs aus seinen bisherigen Solo-Alben gibt es diverse Single-Versionen, 2 Unplugged-Stücke, 2 Live-Versionen und das Single Only Release "Flower of Scotland" - Schottlands Nationalhymne. Kaufen!!!

                                                     


Update März 2009:

Seit ich die obigen Zeilen schrieb, sind ein paar Jahre vergangen. Donnie Munro hat  mit "Heart Of Amerika" (2006) und "An Turas" (2008) weitere Solo-Alben veröffentlicht und "der Neue" Bruce Guthro gehört nun schon seit 10 Jahren zu Runrig.
Nachdem ich mir wegen der negativen Meinung über Bruce einige Kritik gefallen lassen musste, hab ich mich überreden lassen, mal unvoreingenommen die Alben mit ihm anzuhören. Und ich muss sagen, ich war total begeistert! Vor allem der Song "The Message" hat mich dazu gebracht, auch ein Runrig-Fan der Neuzeit zu werden. Das ist inzwischen schon wieder einige Jahre her und es wäre einfach gewesen, obige Sätze zu löschen. Aber warum soll man nicht zu seiner früheren Meinung stehen? Einer meiner Lieblingssprüche lautet: "Nur wer seine Meinung ändert ist sich selber treu"!
Man sollte Donnie und Bruce ganz einfach nicht miteinander vergleichen, denn das ist unfair. Der junge Bruce hat richtig Schwung in die Band gebracht, die Musik ist moderner (beim 2003er Album "Proterra" hat man es etwas übertrieben), die Lieder sind teilweise flotter und härter geworden und vor allem live haben Runrig mächtig zugelegt. Beweis dafür ist der Mitschnitt des legendären Dauerregen-Konzertes am Loch Ness 2007. Was da bereits beim zweiten Lied abgeht, sucht Seinesgleichen.
Der Song "Pride Of The Summer" macht live gespielt den Unterschied zwischen Donnie (1987) und Bruce (2007) deutlich, wobei beide Sänger das gewisse Etwas in der Stimme haben und jeder auf seine Weise hervorragend ist. Nur wenn Bruce "Dance Called America", "Protect And Survive" oder "Loch Lomond" singt, sehne ich mir Donnie zurück. Das geht anderen Fans genauso, aber bei den Konzerten sind die alten Sachen inzwischen eh in der Minderzahl. Und da der Kanadier aus Nova Scotia seine Probleme mit der gälischen Sprache hat, übernimmt den Gesangspart dabei Bassist Rory MacDonald.

Sollte es noch jemanden geben, der Runrig nicht kennt, dem empfehle ich nach wie vor die oben genannten Alben. Highlights der Bruce-Guthro-Ära sind für mich "In Search Of Angels" (1999), "The Stamping Ground" (2001) und die Live-DVD/CD "Beat The Drum" (2007). Eine sehr schöne Übersicht verschafft auch die "Hit-Collection" aus dem Jahre 2007, welche ausschließlich Bruce-Songs enthält.
 
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